Amedeo Modigliani (1884–1920) schuf Porträts mit überlangen Hälsen, ovalen Gesichtern und Augen, die oft ohne Pupillen bleiben. Der Einfluss afrikanischer Masken ist unübersehbar. Er starb mit fünfunddreißig Jahren in Paris. Die leeren Augen Viele…
Expressionismus: Gefühl statt Abbild
Der Expressionismus entstand ab 1905 vor allem in Deutschland. Seine Maler wollten nicht abbilden, was sie sahen, sondern ausdrücken, was sie empfanden. Formen werden verzerrt, Farben von der Wirklichkeit gelöst – ein Himmel darf rot sein, wenn das Gefühl es verlangt.
| Zeitraum | etwa 1905 bis 1925 |
|---|---|
| Zentren | Dresden, München, Berlin |
| Die Brücke | gegründet 1905 in Dresden |
| Der Blaue Reiter | gegründet 1911 in München |
| Farbe | gelöst von der Wirklichkeit |
| Form | bewusst verzerrt |
| Rechtslage | teils gemeinfrei, teils geschützt |
Zwei Gruppen, ein Impuls
Die Brücke, 1905 in Dresden von Architekturstudenten gegründet, malte grell, kantig, ungestüm. Straßenszenen, Akte, Zirkus – Motive aus dem Leben, in Farben, die schreien. Der Holzschnitt mit seinen harten Kanten wurde zu ihrer Signaturtechnik.
Der Blaue Reiter, 1911 in München, ging in eine andere Richtung: geistiger, theoretischer, auf dem Weg zur Abstraktion. Kandinsky schrieb über das Geistige in der Kunst und löste die Farbe schließlich ganz vom Gegenstand.
Warum die Farben nicht stimmen
Ein expressionistischer Himmel kann rot sein, ein Gesicht grün, ein Pferd blau. Das ist kein Fehler und keine Fantasie um ihrer selbst willen – es ist eine Entscheidung.
Die Idee dahinter: Farbe hat eine eigene Wirkung, unabhängig davon, was sie darstellt. Ein rotes Gesicht sagt etwas über den Menschen, das ein hautfarbenes nicht sagen kann. Die Farbe folgt dem Gefühl, nicht dem Auge. Van Gogh hatte das vorbereitet – der Expressionismus zog die Konsequenz.
Das heißt für dein Wandbild
Expressionistische Motive sind laut. Sie brauchen eine ruhige Wand und einen Raum, der etwas aushält. Vor gemusterter Tapete oder neben anderen kräftigen Bildern kippt das Ganze in Unruhe.
Dafür tragen sie einen Raum allein. Ein einzelnes expressionistisches Bild über dem Sofa braucht kein zweites daneben – es hat genug zu sagen.
Rechtlicher Hinweis: Der Expressionismus ist rechtlich gemischt. Franz Marc († 1916), August Macke († 1914), Wassily Kandinsky († 1944) und Paul Klee († 1940) sind gemeinfrei. Andere Vertreter der Bewegung sind es noch nicht – hier gilt weiterhin Urheberrechtsschutz.
Häufige Fragen
Was ist Expressionismus?
Eine Kunstrichtung ab 1905, die nicht abbilden, sondern ausdrücken wollte. Formen werden verzerrt, Farben von der Wirklichkeit gelöst.
Was war Die Brücke?
Eine 1905 in Dresden gegründete Künstlergruppe. Sie malte grell, kantig und ungestüm – der Holzschnitt wurde zu ihrer Signaturtechnik.
Warum sind expressionistische Farben unnatürlich?
Weil Farbe eine eigene Wirkung hat, unabhängig vom Dargestellten. Ein rotes Gesicht sagt etwas, das ein hautfarbenes nicht sagen kann.
Künstler in Expressionismus
August Macke (1887–1914) gehörte zum Blauen Reiter, malte aber ganz anders als Marc oder Kandinsky: heiter, farbenfroh, ohne Schwere. Spaziergänger vor Schaufenstern, Menschen im Park, Licht auf Kleidern. Er fiel sechs Wochen nach Kriegsbeginn, mit…
Munchs bekanntestes Motiv zeigt eine Figur auf einer Brücke vor einem blutroten Himmel, die Hände an den Kopf gepresst. Sie schreit nicht – sie hält sich die Ohren zu. Es existieren mehrere Fassungen in Malerei, Pastell und Druckgrafik. Wer hier…
Edvard Munch (1863–1944) war ein norwegischer Maler und Wegbereiter des Expressionismus. Seine Bilder handeln von Angst, Einsamkeit, Eifersucht und Tod – nicht als Erzählung, sondern als Zustand. Seine Werke sind seit dem 1. Januar 2015 gemeinfrei.…
Egon Schiele (1890–1918) zeichnete den menschlichen Körper kantig, verdreht und ohne jede Beschönigung. Er war Klimts Schützling und ging doch in die entgegengesetzte Richtung: nicht Ornament und Gold, sondern nackte Linie und rohe Farbe. Er starb…
Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) war Mitbegründer der Künstlergruppe Die Brücke und einer der wichtigsten deutschen Expressionisten. Seine Berliner Straßenszenen zeigen die Großstadt in schrillen Farben und spitzen, nervösen Winkeln. Seine Werke…
Franz Marc (1880–1916) war Mitbegründer des Blauen Reiter und malte fast ausschließlich Tiere. Er ordnete den Farben feste Bedeutungen zu – deshalb sind seine Pferde blau. Er fiel 1916 mit sechsunddreißig Jahren bei Verdun. Das Farbsystem Marc…
Jean-Michel Basquiat (1960–1988) begann mit Graffiti-Texten in Manhattan und wurde binnen weniger Jahre zu einem der bekanntesten Maler seiner Generation. Seine Bilder verbinden rohe Figuren, Kronen, Anatomiezeichnungen und Wortlisten. Er starb mit…
Käthe Kollwitz (1867–1945) arbeitete fast ausschließlich in Schwarz-Weiß: Zeichnung, Radierung, Holzschnitt, Lithografie. Ihre Themen waren Armut, Arbeit, Krieg und Trauer. Sie verlor 1914 ihren Sohn im Krieg und 1942 ihren Enkel. Ihre Werke sind…