Romantik: Die Natur als Gegenüber

Die Romantik machte die Landschaft zum Hauptdarsteller und den Menschen klein. Rückenfiguren, das Erhabene – und warum diese Bilder heute so gut funktionieren.

Romantik: Die Natur als Gegenüber

Die Romantik prägte die Zeit um 1800. Gegen die Vernunft der Aufklärung setzte sie Gefühl, Sehnsucht und Naturerfahrung. Die Landschaft wird vom Hintergrund zum Hauptdarsteller, der Mensch schrumpft – und blickt oft mit dem Rücken zum Betrachter in eine Weite hinaus.

Auf einen Blick
Zeitraumetwa 1790 bis 1850
Gegendie Vernunft der Aufklärung
FürGefühl, Sehnsucht, Natur
Bildmotivdie Rückenfigur
Zentralbegriffdas Erhabene
Landschaftnicht Kulisse, sondern Thema
Rechtslagegemeinfrei

Die Rückenfigur

Eine Gestalt steht am Bildrand oder in der Mitte, mit dem Rücken zu uns, und blickt in die Ferne. Wir sehen nicht ihr Gesicht – wir sehen, was sie sieht.

Der Effekt ist raffiniert: Die Figur ist kein Gegenüber, sondern ein Stellvertreter. Man tritt in sie hinein und übernimmt ihren Blick. Das Bild zeigt damit nicht eine Landschaft, sondern das Erleben einer Landschaft. Das war neu.

Zeitstrahl der Kunstepochen – Romantik hervorgehobenWaagerechter Zeitstrahl von 1400 bis heute mit zwölf Epochen als Balken. Die Zeiträume überlappen sich.Einordnung in die Kunstgeschichte1400150016001700180019002000RenaissanceBarockKlassizismusRomantik1790–1850RealismusImpressionismusJugendstilExpressionismusBauhausSurrealismusPop ArtStreet ArtDie Zeiträume überlappen – Epochen lösen einander nicht ab, sie überlagern sich.
Zeitstrahl der Kunstepochen – Romantik hervorgehoben

Das Erhabene

Die Romantik interessierte sich für eine Erfahrung, die es vorher in der Kunst kaum gab: das Gefühl, angesichts von etwas Übergroßem zugleich erschüttert und erhoben zu sein. Ein Gebirge, ein Sturm, ein endloses Meer.

Das Erhabene ist nicht schön im gefälligen Sinn. Es ist bedrohlich – und gerade deshalb überwältigend. Der Mensch ist darin klein, aber nicht verloren: Er kann es empfinden, und darin liegt seine Größe. Für eine Zeit, in der die Vernunft alles erklären wollte, war das eine Gegenbewegung.

Das heißt für dein Wandbild

Romantische Landschaften sind unter den beliebtesten Wandbildmotiven überhaupt – und das aus gutem Grund. Sie erzeugen Weite in einem geschlossenen Raum. Ein Nebelmeer über dem Sofa öffnet die Wand.

Sie funktionieren im großen Format am besten. Das Erhabene braucht Fläche – ein 40 × 30 Zentimeter kleines Gebirge ist ein Widerspruch in sich.

Häufige Fragen

Was kennzeichnet die romantische Malerei?
Die Landschaft wird zum Hauptdarsteller, der Mensch schrumpft. Gefühl, Sehnsucht und Naturerfahrung stehen gegen die Vernunft der Aufklärung.

Was ist eine Rückenfigur?
Eine Gestalt, die mit dem Rücken zum Betrachter in die Ferne blickt. Man sieht nicht sie, sondern was sie sieht – und übernimmt ihren Blick.

Was bedeutet das Erhabene?
Das Gefühl, angesichts von etwas Übergroßem zugleich erschüttert und erhoben zu sein. Nicht schön im gefälligen Sinn, sondern überwältigend.

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Künstler in Romantik

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Caspar David Friedrich

05.09.1774 – 07.05.1840

Caspar David Friedrich (1774–1840) war der bedeutendste deutsche Maler der Romantik. Er machte die Landschaft zum Hauptdarsteller und stellte den Menschen klein und mit dem Rücken zum Betrachter davor. Man sieht nicht ihn – man sieht, was er sieht.…

Lebensdaten: 05.09.1774 – 07.05.1840Geburtsort: GreifswaldKennzeichen: die RückenfigurThema: das ErhabeneMotive: Nebel, Küste, Gebirge, RuinenZu Lebzeiten: umstritten, später vergessen
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Der Wanderer über dem Nebelmeer

Caspar David Friedrich · Seit um 1818

Ein Mann in dunklem Rock steht auf einem Felsen, mit dem Rücken zum Betrachter, und blickt über ein Meer aus Nebel. Es ist das bekannteste Bild der deutschen Romantik – und vermutlich das am häufigsten missbrauchte. Die Landschaft gibt es nicht…

Künstler: Caspar David FriedrichEntstanden: um 1818Kennzeichen: die RückenfigurLandschaft: aus mehreren Skizzen komponiertDer Mann: Identität unbekanntThema: das Erhabene
🎨

John Constable

11.06.1776 – 31.03.1837

John Constable (1776–1837) malte die englische Landschaft mit einer Genauigkeit, die vor ihm niemand aufbrachte – vor allem den Himmel. Er fertigte hunderte reine Wolkenstudien an, notierte Datum, Uhrzeit und Windrichtung und behandelte das Wetter…

Lebensdaten: 11.06.1776 – 31.03.1837Geburtsort: East Bergholt, SuffolkSpezialität: Wolken- und HimmelsstudienNotizen: Datum, Uhrzeit, Windrichtung auf der RückseiteMalort: im Freien, vor dem MotivWirkung: auf die französische Landschaftsmalerei
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William Turner

23.04.1775 – 19.12.1851

Joseph Mallord William Turner (1775–1851) malte Licht, Wetter und Bewegung – und trieb das so weit, dass die Gegenstände darin verschwanden. Seine späten Bilder sind fast reine Farbe und Atmosphäre. Er nahm damit sowohl den Impressionismus als auch…

Lebensdaten: 23.04.1775 – 19.12.1851Geburtsort: LondonThema: Licht, Wetter, BewegungSpätwerk: fast gegenstandslosMotive: Stürme, Nebel, Sonnenuntergänge, DampfschiffeWirkung: auf Impressionismus und Abstraktion