Die meisten Schäden an Wandbildern entstehen nicht an der Wand, sondern auf dem Weg dorthin: beim Umzug, im Auto, im Karton. Die Regeln sind wenige – und fast alle laufen der ersten Eingebung zuwider.
Gerollt oder flach
Gerollt wird nur, was nicht auf einen Keilrahmen gespannt ist: Papierdrucke, Poster und Leinwände, die erst beim Empfänger aufgezogen werden. Alles Gespannte, Kaschierte und Gerahmte reist flach. Beim Rollen zählt der Durchmesser der Hülse – je enger gerollt wird, desto stärker wird die Farbschicht belastet. Unter zehn Zentimetern sollte keine Rolle liegen, bei großen Formaten deutlich mehr.
Die Bildseite liegt dabei üblicherweise außen. Der Grund ist Mechanik: Außen wird die Farbschicht gedehnt, innen gestaucht – und Stauchung erzeugt die feinen Risse. Wer eine Rolle auspackt, lässt den Druck flach und leicht beschwert liegen, bis er sich von selbst entspannt hat. Gegen die Rollrichtung zurückzubiegen ist die schnellste Art, ihn zu ruinieren.
Verpacken
- Die Oberfläche schützen
Ein Bogen säurefreies Papier oder Seidenpapier direkt auf die Bildfläche. Luftpolsterfolie gehört nie unmittelbar auf den Druck: Die Noppen zeichnen sich bei Wärme in die Oberfläche ein, und auf Acrylglas hält sich das Muster hartnäckig.
- Die Ecken zuerst
Kantenschutz aus Karton oder Schaumstoff auf alle vier Ecken. Fast jeder Transportschaden ist ein Eckschaden – dort trifft der Stoß auf die kleinste Fläche und geht direkt in den Rahmen.
- Bildseite gegen Bildseite
Wenn mehrere Bilder zusammen reisen: Bildseite an Bildseite mit Zwischenlage, nicht Bildseite an Rückseite. Sonst drückt der Keilrahmen des einen in die Leinwand des anderen.
- Karton mit Luft
Der Karton sollte an jeder Seite zwei bis drei Zentimeter größer sein als das Bild, der Zwischenraum ausgefüllt. Ein Bild, das im Karton wandern kann, schlägt bei jedem Anhalten an.
Im Auto und beim Umzug
Bilder reisen hochkant: auf der langen Kante stehend, an eine Fläche gelehnt, gegen Umkippen gesichert. Nie flach gestapelt, nie liegend unter anderem Gepäck. Die Ladefläche eines Kombis wird im Sommer über 50 Grad heiß – für Acrylglas, Kaschierungen und Leimverbindungen ist das die kritischste halbe Stunde der ganzen Reise. Wenn es sich einrichten lässt: Bilder zuletzt einladen und zuerst ausladen.
Ein Bild, das aus der Kälte kommt, ist kälter als die Raumluft. Wird es sofort ausgepackt, schlägt sich Feuchtigkeit darauf nieder. Verpackt einen halben Tag im Zimmer stehen lassen – dann bildet sich das Kondenswasser außen auf der Folie statt auf der Bildfläche.
Lagern
Stehend, leicht angelehnt, nie flach gestapelt. Ein Stapel drückt sich mit dem eigenen Gewicht durch: Der Keilrahmen des oberen Bildes zeichnet sich in das darunterliegende ein, und was unten liegt, trägt alles. Zwischen die Bilder gehört säurefreies Papier oder Karton, unter das erste eine Leiste – nicht direkt auf den Boden, wo Feuchtigkeit steht.
Der Ort ist trocken, temperaturstabil und dunkel. Keller und Dachboden sind aus genau diesen Gründen die schlechtesten Möglichkeiten im Haus: der eine feucht, der andere ein Wechselbad zwischen Frost und Sommerhitze. Ein Schrank im beheizten Wohnbereich schlägt jede Spezialverpackung am falschen Ort.
Luftdicht eingeschlagen kann Feuchtigkeit nicht entweichen – unter der Folie entsteht genau das Klima, in dem Schimmel wächst. Für die Lagerung ist Papier richtig. Folie gehört zum Transport, und auch dort nur so lange wie nötig.
Vor dem Umzug abgehakt
- Aufhängung und Kordel prüfen, solange das Bild noch hängt. Eine gelockerte Öse fällt sonst erst am neuen Ort auf.
- Ein Foto der Rückseite machen: Formatangabe, Auflagennummer und Signatur stehen dort und sind später schwer zu rekonstruieren.
- Kartons als Bild kennzeichnen und markieren, welche Seite oben ist.
- Nicht unter Kisten stellen, sondern in einem eigenen Bereich hochkant.
- Am Ziel verpackt stehen lassen, bis die Temperatur ausgeglichen ist.