Jugendstil: Die Linie als Prinzip

Der Jugendstil ersetzte die Gerade durch die Kurve und holte die Natur ins Ornament. Warum er überall auftauchte – und warum er so schnell verschwand.

Jugendstil: Die Linie als Prinzip

Der Jugendstil prägte die Zeit um 1900 in ganz Europa. Sein Kennzeichen ist die geschwungene Linie: Pflanzenformen, Ranken, Haare und Wellen werden zu einem durchgehenden Ornament. Er wollte Kunst und Alltag verbinden – vom Gemälde bis zum Türgriff.

Auf einen Blick
Zeitraumetwa 1890 bis 1910
InternationalArt Nouveau, Modern Style, Secession
Kennzeichendie geschwungene Linie
MotivePflanzen, Ranken, Frauenfiguren, Haare
AnspruchKunst in allen Lebensbereichen
Endemit dem Ersten Weltkrieg
RechtslageHauptvertreter gemeinfrei

Warum die Kurve

Das 19. Jahrhundert hatte sich in historischen Stilen bedient – ein Bahnhof im Stil einer Kathedrale, ein Rathaus wie ein Renaissancepalast. Der Jugendstil wollte damit brechen und einen Stil finden, der aus der eigenen Zeit kam.

Er fand ihn in der Natur. Nicht als Abbildung, sondern als Formprinzip: die Ranke, die Blattader, die Welle. Alles wird zur Linie, und diese Linie schwingt. Sie ist nie gerade, nie hart, nie abrupt – sie fließt und schließt sich zum Ornament.

Zeitstrahl der Kunstepochen – Jugendstil hervorgehobenWaagerechter Zeitstrahl von 1400 bis heute mit zwölf Epochen als Balken. Die Zeiträume überlappen sich.Einordnung in die Kunstgeschichte1400150016001700180019002000RenaissanceBarockKlassizismusRomantikRealismusImpressionismusJugendstil1890–1910ExpressionismusBauhausSurrealismusPop ArtStreet ArtDie Zeiträume überlappen – Epochen lösen einander nicht ab, sie überlagern sich.
Zeitstrahl der Kunstepochen – Jugendstil hervorgehoben

Kunst überall – und plötzlich vorbei

Der Jugendstil beschränkte sich nicht auf Bilder. Er gestaltete Möbel, Schmuck, Plakate, Buchdeckel, Treppengeländer, Türbeschläge. Der Anspruch war umfassend: Es sollte keinen Bereich des Lebens geben, der ungestaltet bleibt.

Und dann war er weg. Der Erste Weltkrieg beendete die Epoche, deren verspielte Eleganz plötzlich unpassend wirkte. Was folgte, war das Gegenteil: gerade Linien, klare Flächen, Funktion vor Ornament. Das Bauhaus ist die direkte Antwort auf den Jugendstil.

Das heißt für dein Wandbild

Jugendstil-Motive – Plakatkunst, florale Ornamente, dekorative Frauenfiguren – sind ausgesprochen dankbare Wandbilder. Sie sind farbig, klar konturiert und funktionieren auf jedem Material.

Sie brauchen eine ruhige Umgebung. Ein Ornament, das selbst dicht ist, konkurriert mit gemusterten Tapeten und vollen Regalen. Auf einer einfarbigen Wand kommt es zur Geltung.

Häufige Fragen

Was kennzeichnet den Jugendstil?
Die geschwungene Linie. Pflanzenformen, Ranken, Haare und Wellen werden zu einem durchgehenden Ornament, das nie gerade und nie hart verläuft.

Wie heißt der Jugendstil international?
Art Nouveau in Frankreich, Modern Style in England, Secession in Österreich. Es ist dieselbe Bewegung unter anderem Namen.

Warum endete der Jugendstil so plötzlich?
Mit dem Ersten Weltkrieg wirkte seine verspielte Eleganz unpassend. Was folgte, war sein Gegenteil: gerade Linien und Funktion vor Ornament.

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Künstler in Jugendstil

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Alphonse Mucha

24.07.1860 – 14.07.1939

Alphonse Mucha (1860–1939) prägte den Jugendstil mit seinen Pariser Plakaten so stark, dass die Zeitgenossen von „le style Mucha“ sprachen. Sein Markenzeichen: eine zentrale Frauenfigur, umrahmt von Ornament, Blumen und einem Halbkreis über dem…

Lebensdaten: 24.07.1860 – 14.07.1939Geburtsort: Ivančice, MährenDurchbruch: 1894 in Paris, mit einem TheaterplakatTechnik: FarblithografieMarkenzeichen: Frauenfigur, Ornament, HalbkreisSpätwerk: das Slawische Epos
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Bildnis Adele Bloch-Bauer I

Gustav Klimt · Seit 1907

Klimts Porträt der Wiener Salonière Adele Bloch-Bauer ist der Höhepunkt seiner goldenen Phase. Das Bild wurde 1938 von den Nationalsozialisten geraubt und erst 2006 nach jahrelangem Rechtsstreit an die Erben zurückgegeben – ein Meilenstein der…

Künstler: Gustav KlimtEntstanden: 1907Material: Öl, Silber und Blattgold1938: von den Nationalsozialisten geraubt2006: nach Rechtsstreit an die Erben restituiertAuch genannt: Die Goldene Adele
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Der Kuss

Gustav Klimt · Seit 1907/08

Klimts bekanntestes Werk zeigt ein umschlungenes Paar, eingehüllt in ein Feld aus Gold und Ornament. Es entstand am Höhepunkt seiner goldenen Phase. Weniger bekannt ist, worauf die beiden stehen: dem äußersten Rand einer Klippe. Der Abgrund unter…

Künstler: Gustav KlimtEntstanden: 1907/08Material: Öl und Blattgold auf LeinwandFormat: quadratischOrnament: männlich rechteckig, weiblich rundÜbersehen: das Paar steht am Rand eines Abgrunds
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Gustav Klimt

14.07.1862 – 06.02.1918

Gustav Klimt (1862–1918) war der bekannteste Maler des Wiener Jugendstils und Mitbegründer der Wiener Secession. In seiner goldenen Phase belegte er Bildflächen mit echtem Blattgold, sodass Figur und Ornament ineinander übergehen. Seine Werke sind…

Lebensdaten: 14.07.1862 – 06.02.1918Geburtsort: bei WienMitbegründer: der Wiener Secession, 1897Goldene Phase: etwa 1901 bis 1909Material: echtes Blattgold auf LeinwandKennzeichen: Figur geht in Ornament über
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Henri de Toulouse-Lautrec

24.11.1864 – 09.09.1901

Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) dokumentierte das Nachtleben von Montmartre – Tänzerinnen, Kabaretts, Bordelle. Mit seinen Farblithografien machte er das Werbeplakat zur eigenständigen Kunstform. Er starb mit sechsunddreißig Jahren. Das…

Lebensdaten: 24.11.1864 – 09.09.1901Geburtsort: AlbiAlter beim Tod: 36 JahreMilieu: Montmartre, Kabarett, BordellMedium: Farblithografie, PlakatStärke: Bewegung mit wenigen Linien
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Judith

Gustav Klimt · Seit 1901

Klimts „Judith“ zeigt eine Frau in goldenem Schmuck, halb entblößt, mit halb geschlossenen Augen – und in der Hand, kaum sichtbar am unteren Bildrand, den abgetrennten Kopf des Feldherrn Holofernes. Das Bild wird bis heute regelmäßig für eine…

Künstler: Gustav KlimtEntstanden: 1901Material: Öl und BlattgoldDargestellt: Judith, nicht SalomeDer Kopf: fast aus dem Bild geschnittenAusdruck: ekstatisch, nicht triumphierend